Gegen den Vogeltod an Glasflächen

Das tun wir gegen den Vogeltod

  • Daten und Informationen sammeln
  • zuständige Stellen, Eigentümer herausfinden
  • Lösungsvorschläge unterbreiten

Wenn das Bauwerk bereits steht, steckt der Karren schon im Dreck - jeder Versuch, nachträglich etwas zu ändern, stößt auf erheblichen Widerstand. Also versuchen wir, im Vorfeld aufzuklären.

 

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Glasunfälle vermeiden
VogelschutzanGlas.pdf
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Im Sommer 2005 erhielten wir Hinweise auf zwei Glasbauten, an denen eine besonders große Unfallgefahr für Vögel besteht. Wir versuchen seitdem, diese Gefahrenquellen zu entschärfen – vorweggenommen: Das war bisher vergeblich. Es gibt sicherlich auch in Ulm /Neu-Ulm wesentlich mehr problematische Bauten als nur diese beiden, aber an dieser Stelle wollen wir sie eingehender beschreiben, stellvertretend für viele andere.

Leider ist es fast unmöglich, Betreiber solcher gefährlichen Anlagen im Nachhinein zu Umbauten zu bewegen. Das kostet ja Geld. 


Eins der beiden "Bauwerke" ist ein Glas-Buswartehäuschen (1.Foto, oben), wie sie die SWU überall aufgestellt haben. 
Diese Art Wartehäuschen ist überall im Lande gebräuchlich. Es heißt, der Passagier will durchsichtige Unterstände, anderswo fühlt er sich unsicher. Mit dieser Begründung wiesen die Stadtwerke bisher alle Änderungswünsche ab.
Die Glas-Wartehäuschen sind nicht überall Todesfallen für Vögel, aber dieses an der "Wendeschleife" in Mähringen hat einen außerordentlich ungünstigen Standort: zwischen zwei Gebüschen in ruhiger Lage. Die Vögel wollen vom einen Gebüsch zum anderen und fliegen in voller Fahrt gegen das unsichtbare Hindernis. Die aufgeklebten Greifvogelsilhouetten sind so wenig sichtbar, dass ihre ohnehin nur geringe Scheuchwirkung hier völlig versagt. Man könnte die Glasflächen mit Punktraster-Folie bekleben, wie sie allenthalben auf den Bussen verwendet wird. Die Schutzwände wären noch durchsichtig genug, dass sich kein böses Gelichter dahinter verbergen kann, und wären trotzdem für Vögel ungefährlich. 

 

Das andere Bauwerk ist die Klinikverwaltung auf dem Eselsberg (Fotos 2 und 3, oben), Albert-Einstein-Allee 29. Die großen Büro-Fenster sind dabei offenbar relativ harmlos - das Hauptproblem hier ist der Innenhof, etwa 10 mal 10 Meter groß, kiesbestreut und rundum von Glaswänden begrenzt. Dahinter verlaufen die Flure des Gebäudes, die auf der anderen Seite ebenfalls Glaswände haben. Besonders an zwei Fronten scheint ein direkter Durchflug möglich, an anderen Stellen verlaufen Treppen oder gemauerte Wände schieben sich ins Blickfeld. Aber die gefährlichen Stellen sind meterbreit. Dauernd geraten Vögel von oben in den Innenhof und prallen gegen die Glaswände, wenn sie ihn wieder verlassen wollen. Wir konnten nicht ständig Streife gehen, aber 2007 z.B. fanden wir 10 tote Vögel vor den Glasflächen, davon die meisten im Innenhof. Dazu ist zu bemerken, dass im Innenhof die Leichen vom Hausmeister weggeräumt werden. Außen besorgen das nach mehr oder weniger kurzer Liegezeit Füchse oder Krähen und andere Aasfresser.

 

Besonders fatal ist es, wenn sich ganze Vogelfamilien im Innenhof fangen - wie einmal (vor unserer Dokumentation) sieben Kohlmeisen, die sich dann nach und nach den Schädel einrennen. Oder zwei Dompfaff-Geschwister, die gemeinsam gegen die Scheibe prallten (3. Foto, oben). Oder man entdeckt zur Zugzeit einen Wiedehopf, den ersten seines Lebens, tot im Innenhof, oder einen Gelbspötter. Der auf dem Foto lag an der Außenscheibe in Richtung Innenhof.

Man könnte den Innenhof mit einem Volierennetz nach oben abdichten, damit wäre die schlimmste Falle entschärft. Mit diesem Vorschlag stießen wir auf taube Ohren. Inzwischen entschärfte sich das Problem "von selbst": Wo bisher Gebüsch und ein Wäldchen standen, wurde die "Neue Chirurgie" des Klinikums am Eselsberg errichtet. Es gibt nun viel weniger Vögel dort.